wenn du ganz unten bist

Kennst du das? Ich kenne das ganz gut, wobei es bestimmt auch noch mehr unten gibt. Aber ich denke jeder hat sein eigenes "ganz unten" schon erlebt. Dieses Unten an dem du dich nicht mehr bewegen kannst, nur noch weinen kannst, die Frage nach dem Sinn deines Lebens unbeantwortet und aussichtslos scheint, du Hunger hast aber nicht essen kannst, schlafen willst aber nicht schlafen kannst, wo die kleinste Aufgabe zum Mammutprojekt wird, jeder Anruf und jede Whatsapp zur lästigen Pflicht wird und du morgens vor dem wach werden schon denkst, wie soll ich diesen Tag in diesem Leben schon wieder meistern? Bei mir war einer dieser Tage, beziehungsweise die Wochen davor kündigten genau das durch die oben genannten Symptome schon an, der 18. Oktober diesen Jahres. Eigentlich ein normaler Tag. Eigentlich! Meine Woche Urlaub war gerade vorbei und ich ging den dritten Tag danach zur Arbeit. Danach mit dem Auto in die Eifel, mein Vater hatte Geburtstag und eine Pflicht aber sogleich auch der Wunsch dort hinzufahre,  setzte mich wie immer nach dem Feierabend komplett entnervt und gereizt ins Auto. Die fahrt war eine Tortur! Ich stand während der Fahrt kurz vor der Explosion und um den Druck raus zu lassen schrie ich einfach dreimal laut (im Auto auf der Straße hörte mich ja keiner!) darauf folgten dicke Tränen, Erschöpfung, Schwäche. Zuhause angekommen war mein Zustand nicht zu verbergen, ich sah wohl aus wie ein Bandmitglied von "Kiss".

Ich versuchte meine Stimmung zur Feier des Tages zu verbergen, vor der Familie natürlich alles andere als einfach und gelungen ist mir das natürlich nicht. Der Besuch der Verwandtschaft am Abend überforderte mich total und das Schauspiel der guten Laune missglückte vollends. Ich kam mir vor, wie schon unzählige Male zuvor, wie der Loser der Familie und landete daraufhin um halb neun im Bett. Zuvor hatte ich meiner Mutter verkündet schon seit Wochen nicht mehr ohne Schlaftabletten schlafen zu können, an diese kam ich dank meines Jobs als Krankenschwester (das werde ich bestimmt noch ein paar mal erwähnen) praktischerweise wobei auch verbotenerweise recht einfach. Das die Dinger süchtig machen war mir klar, aber das ich davon süchtig werde, so ein Blödsinn! Nun ja, dann lag ich da und lag  da und lag da und der Gedanke am Folgetag wieder zu arbeiten machte mich unruhig, panisch, aussichtslos... Ich wusste ich kann nicht mehr und hoffte das von irgendwo Hilfe kommen muss. Nach einer Nacht ohne Schlaf und vielen Tränen stand ich morgens auf, entkräftet, mit Kopfschmerzen und der Stimmung komplett unten. Kein Antrieb, keine Motivation, keine Gefühlsregung, nix!! Leere! Doch dann, Hilfe! Meine Schwester und Mutter haben mich und meine Lage erkannt, erkannt das ich nicht mehr entscheiden kann, gerade nichts organisieren kann. Sie haben mich ins Auto gesetzt nachdem sie mir gut zugesprochen und zugehört haben (sofern das bei meinem schluchzen möglich war!) . Dann ging alles schnell. Krankschreibung, Termin in der Psychiatrisch und psychotherapeutischen Ambulanz der Uniklinik. BÄM! Der erste Schritt aus der seit Jahren anhaltenden Misere aufgrund dem Gefühl was für mich Falsches zu tun, einen Alltag zu leben der nicht meiner sein soll,war getan. Ich bin meiner Schwester und Mutter so unendlich dankbar für ihre offenen Augen und ihr Handeln an diesem Morgen des 19.Oktober. Auch wenn das alles schon hätte viel früher passieren können, so hatte es bestimmt einen Sinn. Einen Sinn so oft gefallen zu sein, an diesem kaputten hilflosen Punkt gewesen zu sein. Das Leben stellt dich immer wieder vor die selben Herausforderungen, so lange bis du aus ihnen lernst. Zudem war es so unfassbar schwierig dieses schlechte Gewissen abzulegen , das schlechte Gewissen andere nun mit meiner Gemütslage zu belasten.  Und es war zunächst so schwierig die Hilfe anzunehmen ohne dabei automatisch in die Rolle des Opfers zu fallen. Denn Opfer sind wir alle nicht. Wir alle sind Menschen die durch Höhen und Tiefen gehen, aus beiden lernen wir jeden Tag für den nächsten dazu. Wachsen an Erfahrungen und ernten Weisheit.

Kennst du das?

 

Falls du dich wiederkennst, oder wenn auch nicht, dann trage dich gerne für den Newsletter ein.

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Kommentare: 2
  • #1

    Madeleine (Montag, 27 November 2017 22:42)

    Ja kenne ich gut. Ich habe die Rolle der Schwester und bin dir dankbar für den Text den ich meiner Schwester gleich geschickt habe. Ich hoffe das hilft ihr besser aus ihrem Tief.

  • #2

    Andy (Donnerstag, 07 Dezember 2017 18:31)

    Sehr schöner Text und mutig das du über alles so offen redest . Ich selber habe auch schon zwei Aufenthalte in eine psychosomatischen Klinik gehabt und bin der gleichen Meinung wie du. Wir sind hier um zu lernen ind zu wachsen . Klar in dem Moment wo alles zusammenbricht und man nur weinen kann sieht man das erstmal nicht.
    Aber ich bin auch froh diesen Weg gegangen zu sein um zu wachsen.

    Finde deine Seite wirklich super . Mach weiter so �