gedanken zu sterben und tod

Tod! Was ein Wort. Für sehr viele sicher ein Wort mit wahnsinniger Kraft. Ganz verschiedene Gefühle werden ausgelöst. Ich glaube, für viele ist es Angst und Unsicherheit, ein Tabu, ein Thema worüber in unserer Gesellschaft nicht all zu gerne gesprochen wird. Doch wovor genau haben wir Angst? Vor den Schmerzen, davor Menschen zurück zu lassen, vor der Unsicherheit was danach wohl kommt? Ängste die sicher begründet sind, doch die man, sofern man sich bewusst dem Thema stellt, ganz sicher lindern vielleicht sogar beseitigen kann. Doch dieses Tabu gegenüber den Wörtern sterben und Tod, ist das nicht ein bisschen komisch? Das gehört doch beides wie die Geburt zu jedem Leben dazu, sonst wäre es ja kein Leben. Es wäre ein Dasein ohne Ziel. Wir alle haben hier einen begrenzten Zeitraum den wir aktiv gestalten können und in dem wir an Erfahrungen wachsen. Und wohin soll und das Leben führen, was sollen wir am Ziel erfahren? Was ist der Sinn des Lebens? Die wahrscheinlich meist gefragteste Frage überhaupt. Ich glaube, der Sinn des Lebens ist glücklich zu sterben. Doch wie genau geht das? Antworten auf diese Frage habe ich in einigen Jahren meiner (Lebens-) Erfahrung als Krankenschwester in der Onkologie und Palliativmedizin finden können sowie gestern in einem wundervoll intensiven Gespräch mit meiner 91-jährigen Oma.

Glücklich kannst du sein, wenn du weißt, dass du bald sterben wirst bzw. bereits in dem Prozess des Sterbens bist bevor der endgültige Tod eintritt, wenn du rückblickend auf dein Leben schauen kannst und aus vollem Herzen "Ja!" sagen kannst. Ja zu allen Erfahrungen, zu den Guten und den Schlechten, wenn du für alles dankbar sein kannst und hinter jedem Tiefpunkt erkannt hast, dass es auch wieder einen Höhepunkt gab, wenn du dein Leben mit Menschen verbracht hast die dich wertgeschätzt haben und du diesen genau diese Wertschätzung zurück geben konntest. Es geht dabei nicht darum, im Leben nie einen zwischenmenschlichen Streit zu haben, es geht darum Respekt voreinander zu haben. Es geht darum, verzeihen zu können, denn im Hass zu leben ist so viel mühsamer als in Liebe.

Liebe bedeutet dabei nicht, ständig voneinander zu schwärmen, vielmehr bedeutet Liebe dabei jeden Menschen den für sich richtigen Weg gehen zu lassen ohne ständig, und das tun wir ja gewöhnlich so gerne, alles und jeden zu bewerten.  Schließlich möchten wir selber auch nicht immer "unter Beobachtung" stehen;)

Es geht darum Träume und Visionen  zu verwirklichen, wie auch immer diese ganz individuell aussehen. Dinge wie beispielsweise Krankheiten, Verletzungen (emotionaler und physischer Art) Veränderungen, Menschen und auch Liebe... anzunehmen und genauso Momente und Lebensabschnitt, Menschen, Gewohnheiten,  Wertgegenstände... loszulassen. Befreiend ist es, wenn du der Vergangenheit nicht nachtrauerst sondern dankbar dafür bist, dass du genau diese erleben durftest. Meine Oma hat vor elf Jahren ihren Mann und vor sieben Jahren einen ihrer Söhne verloren. So schön wie sie nun dasaß und sagte sie sei dankbar für die Zeit die sie mit beiden erleben durfte, und auch diese war nicht immer 100% toll, dafür, dass sie Geld als Schneiderin verdienen durfte, denn das hat sie immer gerne gemacht, dass sie eine Familie gründen konnte. Sie sagt, sie habe keine Angst vor dem Tot, nur vor dem sterben als Prozess, wenn es zu lange dauert und begleitet von Schmerzen. Genau das habe ich auch während der Zeit in der Onkologie und Palliativmedizin miterlebt und erfahren, die meisten Menschen haben keine Angst vor dem Endziel Tod, bloß vor dem Weg dahin. Besonders schwierig fiel es den Menschen, wenn Dinge ungeklärt waren, Entschuldigungen noch ausgesprochen werden wollten und  Vorwürfe im Raum standen. Wenn ich als junge Frau diese Menschen begleitet habe sagten mir wirklich nahezu alle " Du bist noch so jung, mache alles was möglich ist um deine Wünsche und Träume zu erfüllen. Warte nicht zu lange, dann ist es vielleicht zu spät!" Sicherlich ist es nicht immer möglich alles voll und ganz zu erfüllen, aber dann macht es doch ganz bestimmt einen Unterschied, ob man in Frust darüber lebt oder aber mit dem Wissen, man habe das Erfüllen versucht doch es hat nicht geklappt, vielleicht nicht klappen sollen. Alles was uns passiert, gelingt oder nicht gelingt hat vielleicht doch einen tieferen Sinn!? Der Sinn des Lebens, liegt er darin, nicht bloß am Ende glücklich zu sein sondern auch darin, jedem Moment den bestmöglichen Sinn zu geben? Ich glaube dann wären wir alle während wir so vor uns hinleben schon einen Ticken glücklicher! Oder?

Was ich zum Schluss noch sagen möchte ist, das fast alle die ich in den Tod begleitet habe oder kurz nach dem Eintritt sehen durfte, dass all diese Menschen einen zufriedenen und erlösten letzten Ausdruck hatten nachdem sie Frieden in sich finden konnten, auch wenn dies erst in den letzten Momenten geschah. Für all diese Erfahrungen bin ich sehr dankbar und wünsche mir das all diese Seelen glücklich sind. Voller Respekt!

 

Ein starkes und persönliches Thema! Darüber könnte man noch viel mehr Worte finden, doch ich belasse es erstmal hierbei und danke dir das du dir die Zeit zum Lesen genommen hast. Ich denke umso früher wir uns alle diesem Thema stellen desto freier, achtsamer und dankbarer können wir uns zum Ziel leben und wenn du Ergänzungen hast, Dinge anders siehst  oder einfach etwas los werden möchtest dann freue ich mich über einen Kommentar von dir. Fühle und genieße!:)

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Diane Bliss ( Christiane) (Samstag, 02 Dezember 2017 23:29)

    Liebe Anne, ich habe Dich bei der apc in den Kommentaren gelesen und jetzt lese ich deinen Blog....Du beschreibt in Deinen Texten das, was ich in meinen Liedern ausdrücke, wir sollten uns mal treffen...Daß man auf ein glückliches Leben zurückschauen kann, genau so ist meine Mutter gegangen. Nach 2 jahren Chemotherapie war sie nicht nicht lebensmüde, sondern lebenssatt, entschied sie, den Körper jetzt zu verlassen, hat sich vor 1 Jahr ganz bewußt von uns verabschiedet und ist im folgenden Monat wie eine Blüte regelrecht verwelkt... Ich habe ihr damals dieses Lied geschrieben, als Abschiedslied und konnte dadurch den Schmerz und die Trauer in Dankbarkeit wandeln...Seitdem habe ich es zum Trost schon an einige Menschen geschickt, deren Eltern sich auf die große Reise begeben haben.... https://www.youtube.com/watch?v=44htlzXPsy4