Wenn Angst und Mut Auto fahren

So ist es, meine Angst und  mein Mut fahren mein Auto durchs Leben während ich mittig auf der Rückbank sitze und mir die Hände vors Gesicht halte und schreie: "Aaaah! Passt doch auf! Es gibt nen Unfall! Lasst mich doch bitte fahren!"

So ist das! Und diese sehr anschauliche Metapher wurde mir heute morgen in meiner Psychotherapiestunde geschenkt. 

Ich ging völlig ohne bestimmtes Thema dorthin, aber so ist es ja oft, man beginnt zu erzählen und durch die speziellen Fragen des Therapeuten stellen sich neue Fragen und manchmal finden sich schnell sehr offensichtliche Antworten oder ein bisschen langsamer die versteckteren Antworten. Viele davon sind häufig so greifbar, dass man sich wundert nicht selber zu ihr gelangt zu sein. Die versteckten Antworten bedürfen mehrerer Fragen, der Weg ist nicht ganz geradlinig, aber genau darum sehr aufschlussreich.

 

Auch heute fing ich an zu berichten, von der Zeit zwischen der letzten Stunde und er heutigen und das Thema Angst wurde sehr konkret. Angst vor Verletzung, Ablehnung, Verlust, davor den Selbstwert wieder zu verlieren, Angst davor Gefühle und Wünsche gegenüber Menschen zu offenbaren aus Angst eben auf diese genannte Ablehnung zu stoßen und damit all die anderen aufgeführten Dinge die die Angst provozieren.

Ein Dilemma! Ich weiß, dass ich einerseits in diversen Situation mutig sein kann und sogar bin. Ich habe keine Angst davor alleine in fremde Länder ohne jeweilige Sprachkenntnisse zu reisen oder alleine im dunklen zu spazieren. Auch der Schritt den Job und die damit verbundene Sicherheit zu verlassen bereitete mir nur einen sehr kurzen Moment Angst. Es gibt diese mutigen Momente des Größenwahns in denen mir eine Vision von mir so deutlich vor Augen ist, das ich Schritte gehe um dieser Vision einen kleinen Schritt näher zu kommen.

Anders ist es gegenüber Menschen die mir wirklich unglaublich wichtig sind, das sind nicht sehr viele aber ein paar, und das hängt nicht davon ab wielange ich die jeweilige Person schon kenne. Bei einigen ist es nicht sehr lange, vielmehr ist es abhängig von dem Gefühl das mir dieser Personenkreis schenkt. Es gibt Menschen bei denen kann ich sehr authentisch sein, ich muss mich nicht erklären, ich werde nicht verurteilt. Ich fühle mich verstanden, akzeptiert und wertgeschätzt. Die Angst bei ihr/ ihm/ ihnen aus den verschiedensten Gründen auf Ablehnung zu stoßen, die Gefahr verletzt zu werden und das der Selbstwert dadurch zu sinken droht ist groß.

Ein sehr dominanter Grund der diese Gefahr auslösen könnte, ist für mich Gefühle zu äußern. 

Eine riesen Hürde! Was mach ich wenn es nicht auf Gegenseitigkeit beruht, ich sogar ausgelacht werde (ein wirklich blöder Gedanke, welcher reife Mensch lacht einen aus wenn man Gefühle äußert) oder ich die Person damit überforderte?

Und damit ist sie wieder voll da, die Angst, mit all ihren Fassaden!

Das schöne hinter allem ist, das Angst im Grunde eine Form der Liebe ist . Angst möchte uns vor etwas schützen weil sie uns liebt.

 

So können wir neben Ärger über die Existenz der Angst ebenso dankbar für sie sein.

Mit Mut ist es nicht anders, auch Mut liebt uns. Durch Mut kommen wir auf unsrer individuellen Lebensstile zur Verwirklichung des Selbst weiter, Schritt für Schritt, Tag für Tag.

Mut ermöglicht es uns, Erfahrungen zu machen, in Kontakte zu treten, die Welt zu entdecken, altes zu verlassen um neues zu entdecken. Mut befähigt uns dazu individuell zu sein, uns mit uns verbunden zu fühlen indem wir sind wer wir sind.

 

Bei mir ist es nun so, meine Angst herrscht über das Steuer, zumindest in sozialer Hinsicht und der Mut würde so gerne hereingerufen, traut sich aber nicht beziehungsweise wird von der Angst zurückgedrückt.

Und ich sitze hinten, froh darüber das beide so nett sind und mich mitnehmen, doch dabei bin ich ein neugieriges kleines Kind, das so gerne selber fahren würde. Ich vorne am Steuer, Mut als mein Beifahrer und die Angst auf der Rückbank für wenns mal brenzlich wird.

Noch ist es nicht so, aber ich lerne für den Führerschein und freu mich so sehr wenn ich fahren darf. Für immer, von ganz bald bis zum letzten Tag!

 

Bestimmt kennst auch du beide Aspekte, vielleicht in anderen Situationen oder Bereichen, ich freu mich von dir mehr zu erfahren. Um zu lernen, neue Blicke geschenkt zu bekommen und einfach darum, weil es so so spannend ist den Mensch zu verstehen.

Ich wünsche dir auf jeden Fall schon jetzt dein Traumauto indem du auf deiner Traumstraße am Steuer sitzt.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Sonja (Donnerstag, 04 Januar 2018 19:09)

    Hallo Anne,
    ich möchte dich einladen auch jetzt schon auf den Fahrersitz zu steigen. Mut und Angst gehören zu dir, sind in dir. Die brauchen im Auto keinen eigenen Platz.
    Du darfst dir das alles jetzt erlauben. Den Führerschein hast du längst. Es ist dein Leben!
    Ich kenne die Metapher und finde sie wunderbar!
    Liebe Grüße,
    Sonja