Sind wir nicht alle Vulkane?

Ein Vulkan! Außen mächtig, stark und dabei still, schön, einzigartig und natürlich. 

Eigentlich so wie viele von uns!

Kennst du das? Du weißt wie du nach außen hin wirkst, vielleicht genau so, viele versprechen sich viel von dir, die Erwartungen sind hoch. Du hälst dem äußeren (gesellschaftlichen) Druck stand, ganz natürlich, ohne imposante Gefühlsausbrüche und so lebst du, dafür stehst du.

Du wirkst authentisch und zufrieden, völlig normal, für jeden Spaß zu haben, stets klar strukturiert und orientiert. Wunderbar- so sollen und wollen doch die meistens von uns sein.

 

Ich kenne das und dieses Sinnbild bekommt stets mehr Bedeutung. 

In den vergangenen Jahren war ich stets mehr oder weniger erfolgreich bemüht ebenso diesem äußeren Bild zu entsprechen, oft fiel mir das sehr, sehr schwer. Wenn ich dem harten und hektischen Ton auf der Intensivstation nicht standhielt, emotional berührt war und verunsichert wirkte hörte ich unzählige Male den unheimlich (un-) klugen Hinweis, dass ich mir ein dickeres Fell aneignen soll. Ich nahm mir dies sehr zu Herzend zweifelte an meiner Kompetenz und ebenso an meiner ganzen Person. 

Ein dickes Fell! Schön und gut! Aber wie bekommt man das, und- will ich das überhaupt haben?

Heute kann ich sagen: Nein!

Heute bin ich dankbar für mein nicht so dickes Fell wodurch ich emphatisch sein kann und dabei zulasse meine Gefühle zu zeigen.

 

Aber zurück zum Vulkan!

Wie erwähnt war auch ich bemüht diesem Bild zu entsprechen, bis heute. Ich möchte nicht durch die Welt laufen, dabei stets angreifbar und zerbrechlich wirken. Es gibt Situation da kann ich das sein und diese sind unglaublich kostbar. In meiner jetzigen Situation in der ich aufgrund der Depression noch krank geschrieben bin würden sich außenstehende sicherlich wundern. Ich bin mir bewusst darüber, dass ich im Alltag nicht ständig so wirke. Wenn ich glücklich und ausgeglichen scheine, dann ist das nicht gespielt, dann ist das echt.

Auch Menschen die an einer intermittierenden Depression leiden, können, und vor allem dürfen, fröhlich wirken. Auch diese Menschen können stark wirken und sogar sein.

Jeder an einer Depression erkrankte Mensch ist stark, ein Vulkan.

Stark sind wir, denn wir sind noch hier, wir sind nicht dem Impuls der Depression gefolgt dem ganzen ein Ende zu setzen indem wir den Körper zerstören oder töten. Wir halten den Schmerz der Depression aus, das ständige Schwanken und die immer wiederkehrende Gefahr ins Loch zufallen. Die Gefahr der Eruption.

Außen sind wir mächtig und stark.

Und innen? Ja, klar- da brodelt es! 

 

Ich glaube, so ist es nicht nur bei Depressiven. Ich vermute, dass jeder ein Vulkane ist. 

Eben so wie oben beschrieben scheinen, doch je tiefer wir alle zum Seelenkern (Erdkern) graben umso brodelnder wird es. Bei jedem!

Wahrscheinlich ist dies sehr vielen nicht klar, sie haben Angst du graben. Angst vor der Gefahr durch noch unbewusste Seeleninhalte in Flammen gesetzt zu werden, daran zu ersticken und nicht mehr wegrennen zu können. Im wegrennen sind sehr viele Menschen gut! 

Darum halten sie die Kruste lieber fest und stabil, lassen keine Risse zu und zeigen sich dadurch unangreifbar und unantastbar. 

 

Bei mir brodelt es, definitiv! Das merke ich und es ist gut so. 

Ich habe Risse und möchte auch kein dickes Fell über diese Risse legen, alles darf raus. Darf sich zeigen, wenn auch im geschützen Raum. 

Es wäre so schön wenn jeder diese Risse zulassen würde anstatt immer härter und fester zu werden.

Ganz sicher gibt es Situation in denen es unglaublich sinnvoll ist hart und fest zu sein im Sinne von Selbstschutz, um die sehr feinfühlige Seele von äußerem Müll zu schützen, vor unnötigen Beleidigungen und Wortgefechten und anderem äußeren Gift das auf jeden gießen kann.

 

Geschütze Räume gibt es viele, der am einfachsten zu erreichende in dein Zuhause, die Natur in die du alleine gehen kannst (alleine ist darum gut, weil du von anderen nicht abgelenkt wirst, weil du dann mit dir und für dich da sein kannst, lese dazu "Allein sein"). Ebenso kannst du zur Meditation gehen oder dich in Atemübungen begeben wo du einfach nur "sein" kannst und in dich graben kannst. Angst muss niemand haben. Das ist dann niemand anderes als du selbst auf den du triffst. Deine unterdrückten Gefühle in Form von Lava. Und Lava ist doch eigentlich schön anzuschauen!

 

Lass die Angst da sein aber nicht die Macht ergreifen und grabe trotzdem, das ist dann mutig.

Mut ist, wenn du der Angst trotzt und machst...

 

 

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