Und was machst du so?

Die Frage der Fragen! Die Frage welche zu 99% zum standardisierten  Kennenlern-Smaltalks gehört.

Ist soweit ja auch okay, und ja auch wirklich interessant! Wenn ich behaupte, dass ich diese fünf Wörter niemals in Gespräche verwickle würde ich lügen ;-)

Doch warum ist das so wichtig zu wissen?

Wenn ich auf Reisen bin empfinde ich es also total nervig wenn ich auf diese Fragestellung stoße und meide sie als Fragende so gut wie möglich. Ist es nicht viel schöner den Mensch als Individuum zu sehen ohne ihn in eine Schublade zu stecken, denn das passiert doch ganz unbewusst sofort nachdem wir wissen was die- oder derjenige Zuhause beruflich macht. 

Wow! Krasser Job! Der hat es total geschafft! Verdient bestimmt echt viel! Und ich dagegen? Wie stehe ich da?

Oder aber: Oh Gott was ein oberflächlicher Mensch! Hält ja ganz schön viel auf sich! Wie kann man sowas nur jeden Tag machen? Oder, oh das könnte ich nicht! ...

Egal für welche Art Schublade sich die Person in unserem Gefüge eignet, immer stellen wir uns doch in den Vergleich, sehen uns selber als erfolgreicher oder weniger erfolgreich an, finanziell besser oder schlechter situiert, gebildeter oder weniger gebildet...

Ich möchte nicht sagen dass das schlecht ist und mich selber davon nicht los sprechen, doch geht das nicht alles ein wenig in eine Art Diskriminierung über oder alternativ in unnötige Aufwertung einer Person?

Was wäre wenn wir alle arbeitslos wären und alle die selben finanziellen Mittel hätten?

Dann gäbe es kein elitepartner.de oder Bauer sucht Frau, keinen Bachelor und keine Bachelorette, keinen Berufsstatus auf Tinder...

Umso höher der Abschluss, umso mehr der Verdienst umso besser biste!

Wuah! Schlimm!

Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit meiner Krankenpflegeausbildung welche knapp 10 Jahre zurückliegt. Ich war im engen und entfernten Freundeskreis die einzige bzw. eine von ganz ganz wenigen die "nur" eine Ausbildung macht. Alle studierten, genossen Semesterferien und feierten eine Menge Parties während ich zur Schule lief und im Schichtdienst arbeiten musste. Wie erniedrigend sich das für mich anfühlte!

Auf die Frage was ich denn so mache lautete die Antwort, dass ich nur eine Ausbildung mache und in meiner Gedankenwelt ploppten Gedanken wie "Der oder die findet mich bestimmt dumm oder langweilig!"  oder "Ich bin wirklich uninteressant!". Die Emotionen die folgten war natürlich nicht von liebender Herkunft und gingen eher in Richtung Minderwertigkeit. Nicht wirklich Selbstwertfördernd!

Ganz davon abgesehen, dass mir der Beruf auf Dauer wirklich nicht die Freude bereitete die ich mir damals davon versprach und ich heute an dem Punkt bin an dem ich endgültig aus diesem Beruf ausgestiegen bin, aber das ist ein anderes Thema, ist es so traurig, dass all die Menschen die solch ehrenwerte Berufe ausüben häufig so geringe Wertschätzung erfahren und daraufhin unter diesen Minderwertigkeitsgefühlen leiden. 

Und was ist all mit den Müllmännern, Reinigungskräften, Küchenhilfen, Handwerkern, Kassiererinnen und all den üblichen Ausbildungsberufen?

Der finanzielle Verdienst ist nicht hoch und man muss auch kein dreijähriges Studium vollbringen nach welchem auch noch der Master folgen muss, denn ohne Master bringt man es ja häufig auch nicht mehr zu Großartigem.  

Doch gäbe es all diese Menschen nicht würde doch das komplette System in dem wir leben zusammenbrechen? Dann wären die Büros der Manager morgen staubig, es gäbe keinen Coffee To Go in der schnellen Mittagspause, es würde keine Kindergärten geben in welchen die Kinder während Mama und Papa Geld verdienen gut aufgehoben sind, im schweren Krankheitsfall wäre niemand da der den Haushalt wirft und beim Waschen und Essen hilft,...egal wie dick das Konto ist.

Ein Thema ohne Ende, doch ich möchte den Blick noch auf ein anderes Feld richten.

Da ich derzeit bewusst sowie gesundheitsbedingt arbeitslos bin und mich beruflich umorientieren werde, verbringe ich schon eine Weile mal mehr und mal weniger Zeit damit mir Podcasts anzuhören, Blogs zu lesen, Gespräche bezüglich Erfolg zu führen und besuche gerne Vorträge und Seminare zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung, Erfolgreich werden/ sein, Finanzen, Positionierung, Visionen entwicklen und finden...

Alles super interessant und teils hilfreich!

Alle Menschen sollen ihre Vision finden, ihren persönlichen Lebensentwurf erleben, frei sein, glücklich sein, sich selber lieben und wertschätzen... Das wäre wunderbar! Ganz klar! Darum ist jeder einzelne von uns hier!

Was mir jedoch immer mehr auffällt ist, dass die Erwartungen an mich stiegen umso mehr ich hörte und laß.

Ich soll also reich werden und finanziell  frei, ein eigenes Business gründen, die größte Vision von mir entschlüsseln....das ist inhaltlich das was mir all die Infos vermittelten.

Okay! Im Ansatz prima! Wirklich toll!

Doch muss denn nun wirklich jeder etwas erschaffen was neu ist? Muss nun jeder seine Einzigartigkeit in die Welt tragen, auf Instagram, Facebook und Co.? Soll plötzlich jeder Gründer werden? ...

Kann die größte Vision keine Beschäftigung in einem angestellten Verhältnis sein? In einem "ganz normalen" Beruf? 

Ein heikles Thema und ich möchte auf keine Fall all die Visionäre angreifen, teils zähle ich mich selber dazu.

Ich möchte hier bloß den Blick in eine andere Richtung lenken.

Was ich mal "werde" weiß ich noch nicht, doch eigentlich "bin" ich ja schon.

Zur Zeit ist die Antwort auf "Und was machst du so? einfach mal "Ich bin arbeitslos und krankgeschrieben, ich bin auf dem Weg (zu meiner größten Vision;-) ) !"

 

Ich wünsche das jeder seine persönliche Vision entdeckt die ein Glücksgefühl auslöst und das jeder Zugang zu dieser Vision findet für ein Leben in Liebe, Glück und Dankbarkeit.

Dann ist jeder an seinem ganz individuellen richtigen Platz, ob als Bäcker, Krankenschwester, Sanitäter, Dachdecker, Maurer, Sekretärin, Anwalt, Arzt, Jurist, Manager oder erfolgreich mit eigenem Business.

 

Mögen alle Menschen glücklich und frei sein und mögen meine Gedanken, Worte und Taten ihren Beitrag dazu leisten!

Respekt und Anerkennung für jeden! Dürfte ja nicht all zu schwierig sein :-)

 

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Jörg (Sonntag, 04 Februar 2018 21:49)

    Mitten ins Schwarze ! Hervorragende (Selbst-)beobachtung. Das Thema berührt jede und jeden, mich auf jeden Fall, stecken da auch persönliche Erfahrungen drin und die Vision ist auch nicht nicht geklärt :-) Warten !