vergiss mein nicht

...sprach sie!

Erst leise und dann immer lauter. 

Die Depression die mich schon so lange begleitet, als Freundin und Feindin zugleich, hat im Herbst 2017 ihren erneuten Höhepunkt der vollen Aufmerksamkeit genossen. 

Dann lenkte ich den Blick von ihr Weg, sie wurde mir lästig und geriet, so fühlte es sich eine Weile an, erneut in Vergessenheit.

Ich dachte "Ach! Klinikaufenthalt! Brauch ich nicht mehr. Läuft ja auch so alles gut!"

Ich lenkte mich ab, genoss es die Zeit zu haben um bei mir anzukommen.

Ablenkung erfolgte im Sinne einer Entdeckungsreise zu meinen teils vergrabenen Interessen, der Planung der weiteren Schritte nach der Klinik und einer Informationssammlung diesbezüglich.

Soweit richtig richtig gut, ich tat Dinge die mir gefallen und gut tun.

Es gab Tage, an denen fühlte ich mich so gesund wie nie zuvor und wusste auf dem Weg zu meiner Therapeutin oft nicht was ich ihr erzählen soll.

Auf wundersame Weise kamen viele Themen an die Oberfläche sobald der geschützte Raum der Praxis gegeben war und es keine Ablenkung gab.

Immer dort bemerkte ich, dass in mir drin eine gigantische Baustelle darauf wartet aufgeräumt zu werden und auch wenn Gedanken zeitweise kamen, die einen Klinikaufenthalt als unnötig bewerteten, bin ich heute und in den vergangen Tagen sehr froh, auch wenn es schmerzt, dass die Denkrichtung sich diesbezüglich wieder geändert hat.

All das, weil meine F die Depression anklopft, mal leise und mal laut.

Wenn ich ihr die Türe öffne, dann schaut sie mir ins Gesicht und sagt "Vergiss mein nicht" und öffne ich sie nicht, dann beeinflusst die meine Emotionen auf ganz unbewussten Wegen.

Das Türe öffnen scheint mir inzwischen als die nachhaltigste wenn auch nicht immer angenehmste und einfachste Option.

...und dann sagt sie vorwurfsvoll und dabei genauso liebevoll "Ich habe dich so lange begleitet und nicht immer war ich schädlich. Außerdem habe ich dich zu dem Menschen gemacht der du heute bist. Natürlich hast du Macken aber auch wundervolle und liebevolle Eigenschaften hast du durch mich gewonnen. Schau doch bitte nochmal genau hin, ich hab dir noch ein paar Dinge zu berichten und einige Umstände müssen unbedingt noch geklärt werden damit du dich besser verstehst und weiter wachsen kannst. Wenn du nicht hinschaust werde ich dich immer wieder dazu auffordern müssen. Ganz bestimmt werde ich dich nie vollkommen verlassen, denn ich bin Teil von dir und du bist Teil von mir. Immer wenn ich merke du schadest dir, dann werde ich mich melden, aber auf eine freundliche und liebevolle Art. Dann erinnere ich dich an die Zeit in der ich brüllen musste. Dann sollst du dich erinnern wie schlecht es dir ging als ich dein größter Teil war, deine Feindin war. Als Feindin möchte ich dich loslassen, aber als Freundin soll ich dir erhalten bleiben."

 

Ich werd dich nie vergessen, meine Freundin und Feindin Depression!

...ich sage jetzt  mal, (fast) schön dass e s dich gibt ;-)

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Jörg (Mittwoch, 21 März 2018 17:01)

    Liebe Anne, wie immer sehr berührend und starke Botschaft. Danke und bis bald hoffentlich